Ein Sommer der Gewalt: Würzburg, München, Ansbach

Es ist ein Sommer der Gewalt in Deutschland: erst der Terroranschlag in einem Regionalzug bei Würzburg, kurz darauf der Amokläufer von München, gestern schließlich der Anschlag in Ansbach. Vorangegangen waren diesen Taten der Massenmord in Orlando/Florida und der Terroranschlag per LKW in Nizza.

Diese Taten eint nach bisherigen Erkenntnissen nichts, die Verbindungen sind eher bei den Tätern selbst zu finden. Was sie alle gemeinsam hatten: psychische Probleme – und verworrene Motive für ihre jeweiligen Taten. Zudem waren sie allesamt Einzeltäter, zumindest was die Durchführung der Taten angeht.

Der Bezug zum Islamischen Staat (IS) ist im Falle Würzburgs noch nebulös, im Falle Münchens gibt es ihn nicht, zu Ansbach liegen diesbezüglich bis jetzt noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Sollten die bisherigen Informationen zutreffen, wäre dies das erste islamistische Selbstmordattenat in Deutschland überhaupt.

In der Gesamtschau der vergangenen Wochen wird jedoch deutlich, dass es dem IS gelungen ist, in den USA und vor allem in Europa einen Pool an psychisch kranken Menschen anzuzapfen und diese mittels Propaganda zu Anschlägen zu inspirieren.

Von ihrer psychischen Disposition haben diese Täter mehr mit Amokläufern denn mit klassischen Terroristen gemein: Terroristen verfolgen mit ihrer Tat stets ein politisches Ziel, Amokläufer nicht.

Symbiose zwischen Terrorismus und Amok

Das Ergebnis ist eine Art Symbiose zwischen Terrorismus und Amok, eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Denn der IS kann die von diesen Attentätern verübten Taten adoptieren, und die Täter können auf diese Weise ihren Taten einen höheren Sinn verleihen. Die Grenzen zwischen den Phänomen verschwimmen. Der Effekt für die Öffentlichkeit ist jedoch fast derselbe.

Diese Welle der Gewalt bietet einen optimalen Nährboden für Verschwörungstheorien und Spekulationen. Denn der Mensch neigt dazu, in allem einen Sinn finden zu wollen – auch dort, wo keiner ist. Die offenkundige Sinnlosigkeit der Taten und der fehlende Zusammenhang ist das, was so fassungslos macht.

Vielleicht ließe sich bei dieser Welle der Gewalt am ehesten vom Werther-Effekt sprechen: einer besonderen Variante des Selbstmords, über die in den Medien ausführlich berichtet wird, was wiederum zu einer wachsenden Zahl von Nachahmungstätern führt.

Über die Axt-Attacke von Würzburg sprach ich am 19.07.2016 und am 20.07.2016 in Studiogesprächen bei N24 über die Verbindungen des Attentäters zum IS, über die Umstände seiner Radikalisierung und die daraus resultierenden Herausforderungen im Hinblick auf die Integration von Flüchtlingen.

Einzeltäter, gerne als „einsame Wölfe“ bezeichnet sind ein Täter-Typus, der die Sicherheitsbehörden vor besondere Herausforderungen stellt: Diese sind im Vorfeld der Tat kaum zu identifizieren, insbesondere wenn die Täter sich innerhalb nur weniger Wochen radikalisieren, so wie es beim Attentäter von Würzburg offensichtlich der Fall war. Im Interview mit Wirtschaftwoche Online sprach ich mit Niklas Dummer über einsame Wölfe, die Schnittmenge zwischen Amok und Terrorismus sowie über die Verbindungen des Attentäters zum IS.