MENA Security Monitor 2015-03-27

Wie ist die Lage in Nahost und Nordafrika? Der MENA Security Monitor bietet jeden Freitag einen Rückblick auf wichtige Ereignisse und Entwicklungen der vergangenen Woche und weist auf besonders lesenswerte Publikationen hin – stets mit dem Fokus auf sicherheitsrelevanten Themen.

Ägypten

Den Beduinen im Süden der Sinai-Halbinsel könnte es zu verdanken sein, dass die internationale Wirtschaftskonferenz in Sharm al-Sheich von Terroranschlägen verschont geblieben ist. Die ägyptischen Sicherheitsbehörden hatten zum Schutz der Veranstaltung Mitte März 2015 eng mit einigen Stämmen kooperiert, um eine Infiltration von Terroristen vom Norden der Halbinsel in den Süden zu verhindern. Die Überwachung der unübersichtlichen Gebirgs- und Wüstenregionen, die Nord und Süd verbinden, hätte die Kapazitäten des ägyptischen Militärs deutlich überstiegen.

Libyen

Der Anschlag von einem regionalen Ableger des Islamischen Staats (IS) auf das Ghani-Ölfeld im Süden Libyens wirft ein Licht auf den Modus Operandi der Jihadisten: Deren Vorgehensweise entspricht exakt den Instruktionen eines Al-Qaida-Handbuchs, dass sich mit Anschlägen auf den Öl- und Gas-Sektor in Nordafrika beschäftigt. Das Vorwort stammt aus der Feder von Mokhtar Belmoktar, Nordafrikas wohl bekanntestem Terroristen. Er war unter anderem für den Anschlag auf die Förderanlage im algerischen In Amenas im Jahre 2013 verantwortlich.

Tunesien

Was geschah während des Terroranschlags auf das Bardo-Museum am 18. März 2015 in Tunis? Berichte von Augenzeugen sind rar gesät, insbesondere was verlässliche angeht. Der Korrespondent der (tunesischen) Zeitung As-Safir, Hassan Al-Fathali, war zur Zeit des Anschlags im neben dem Bardo gelegenen Parlament und schildert den Ablauf der Ereignisse, das Vorgehen der tunesischen Sicherheitsbehörden und wie es gelang, rund 50 Touristen aus dem Museum evakuieren.

Algerien

Die algerischen Behörden haben rund 100 türkische Bauarbeiter vorsorglich evakuiert, nachdem es Hinweise auf eine mögliche Bedrohung durch Jihadisten gegeben hatte. Diese sollen mit dem Islamischen Staat (IS) affiliiert sein; belegt ist dies jedoch nicht. Die Arbeiter konnten bereits 24 Stunden später auf die Baustelle östlich der Hauptstadt Algiers zurückkehren.

Jemen

Im Jemen fallen die vier großen Konflikte der Region zusammen. Solange sich diese nicht vermischten, war keine eine existentielle Bedrohung für das Land. Doch seitdem sie miteinander verschmelzen, ist der Verfall des Jemen mehr aufzuhalten. Zusammengeballt entfalten die Konflikte eine enorme Sprengkraft.

Islamischer Staat (IS)

Der Siegeszug des Islamischen Staats (IS) scheint an mehreren Fronten gebremst. Nun mehren sich die Hinweise, dass innerhalb des selbsternannten Kalifats die inneren Konflikte zunehmen. Dies manifestiert sich in einer wachsenden Zahl von Deserteuren. Viele jedoch bezahlen den Versuch mit ihrem Leben – und werden vom IS exekutiert.