MENA Security Monitor 2015-04-10

Wie ist die Lage in Nahost und Nordafrika? Der MENA Security Monitor bietet jeden Freitag einen Rückblick auf wichtige Ereignisse und Entwicklungen der vergangenen Woche und weist auf besonders lesenswerte Publikationen hin – stets mit dem Fokus auf sicherheitsrelevanten Themen.

Ägypten

Mehrere Offiziere der ägyptischen Armee haben sich den Jihadisten des „Islamischen Staates – Provinz Sinai“ (ISPS, vormals Ansar Bait al-Maqdis) auf dem Sinai angeschlossen. Auf Seiten der Terroristen kämpfen sie nun gegen die Armee. Aus Sicht der ägyptischen Sicherheitsbehörden stellen diese Deserteure aufgrund ihrer Insider-Kenntnisse die größte Bedrohung für die innere Sicherheit des Landes dar. Demnach seien die einstigen Soldaten neben der Planung von Anschlägen vor allem für die Ausbildung und Training der Jihadisten von ISPSW zuständig – beispielsweise Techniken zum Töten.

Libyen

Ansar al-Sharia Libyen (ASL) ist seit 2012 eine der bedeutendsten jihadistischen Gruppen in Libyen. Die Gruppe hatte sich anfangs der Missionierung verschrieben, wandelte sich infolge der Offensive von General Haftar gegen die Islamisten im Lande jedoch zu einer militärisch operierenden Organisation. Seither hat sich die Position von ASL deutlich verschlechtert. Insbesondere die verstärkten Bemühungen des Islamischen Staates (IS), in Libyen eine eigene Basis aufzubauen, haben zu einer Abwanderung vieler Kämpfer geführt. ASL ist noch immer eine wichtige militärische Kraft in Derna und Benghazi, steht nun aber vor einer ungewissen Zukunft – und vor der Frage, ob sie sich dem IS anschließen soll oder aber das Risiko eingehen, außerhalb ihrer Hochburgen von anderen Gruppen verdrängt zu werden und damit langsam in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Algerien

Das algerische Militär sieht sich vor der größten Herausforderung im Kampf gegen den Terrorismus im eigenen Land seit dem Ende seiner „dunklen Dekade“ im Jahre 2000. Infolge der zunehmend instabilen Sicherheitslage in Tunesien, der Bürgerkrieg in Libyen und eine wachsende Bedrohung durch den Jihadismus aus der Sahelzone im Süden des Landes bereitet sich die Armee auf die nächste große Schlacht mit den Jihadisten vor. Bei der Bekämpfung sollen neben den bereits in den 1990er Jahren bewähren Methoden jedoch auch eine neue zum Einsatz kommen: die Kooperation mit Partnerländern in der Region.

Sahara & Sahel

Die Art der Konflikte in Sahara und Sahel haben sich grundlegend gewandelt. Die gegenwärtigen Konflikte in Libyen, Mali und Nigeria zeigen, dass die Natur des Terrors zunehmend grenzübergreifender Natur ist und bereits schwelende ethnische, politische und religiöse Spannungen nutzt. Die fehlende Kooperation innerhalb der Region aufgrund von Rivalitäten, wie zum Beispiel zwischen Algerien und Marokko, macht es Jihadisten, Schmugglern und Separatisten einfach, sich ungehindert in der Region zu bewegen. Infolgedessen ist eine Vertiefung der Beziehungen zwischen Gruppen wie Al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM) und Boko Haram zu erwarten.

Spezialkräfte der französischen Armee haben im Norden Malis eine niederländische Geisel, Sjaak Rijke, befreit. Rijke war 2011 in Timbuktu von Al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM) entführt worden, zusammen mit einem Schweden und einem Südafrikaner. Die Operation war ursprünglich nicht zur Befreiung des Niederländers durchgeführt worden. Die französischen Soldaten entdeckten Rijke vielmehr erst per Zufall, als die Kämpfe vorüber waren. Rijke ist demnach bei guter Gesundheit. Von dem Schweden und dem Südafrikaner fehlt nach wie vor jede Spur.

Jordanien

In Jordanien schwindet die Begeisterung für den Krieg gegen den Islamischen Staat (IS). Denn die Probleme des kleinen Königreichs werden immer größer: Jihadisten im eigenen Land, die Lage in Syrien und die Flüchtlinge im eigenen Land. Doch Tausende junger Männer haben kein Vertrauen in den Staat – und fühlen sich angezogen von der Kompromisslosigkeit und der Propaganda des IS. Der Krieg gegen dessen Ideologe könnte der längste und bisher schwerste für Jordanien werden.