MENA Security Monitor 2015-04-24

Wie ist die Lage in Nahost und Nordafrika? Der MENA Security Monitor bietet jeden Freitag einen Rückblick auf wichtige Ereignisse und Entwicklungen der vergangenen Woche und weist auf besonders lesenswerte Publikationen hin – stets mit dem Fokus auf sicherheitsrelevanten Themen.

Ägypten

Die wachsende Aggressivität jihadistischer Gruppen auf dem Sinai steht im Widerspruch zu den wiederkehrenden Erfolgsmeldungen der ägyptischen Armee – was jetzt eine Diskussion im Land über die Schlagkraft des Militärs ausgelöst hat. Einige Beobachtern bemängeln, dass die Armee zu defensiv agiere und sich lediglich darauf beschränke, Terroranschläge abzuwehren, anstatt offensiv vorzugehen und die Terroristen gezielt anzugreifen und ein für alle Mal zu beseitigen: Statt reaktiver Routine sei eine aktive Bekämpfung der Jihadisten auf der Sinai-Halbinsel dringend vonnöten.

Libanon

Der Krieg in Syrien hat bis dato nicht dazu geführt, dass der Konflikt auf den Libanon übergreift, trotz der Verwicklung zahlreicher libanesischer Akteure. Die politischen Lager des Landes haben sich auf einen fragilen Minimalkonsens geeinigt, der eine vorläufige Stabilisierung der Sicherheitslage erlaubt hat. Dennoch bleibt dieser Konsens brüchig. Insbesondere die aktive Beteiligung der Hizbullah am Syrien-Krieg macht eine erneute militärische Konfrontation mit Israel immer wahrscheinlicher.

Jemen

Die Einnahme von Al-Mukalla, Jemens fünftgrößter Stadt, demonstriert die wachsende Stärke von Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAH), der dortigen Filiale von Al-Qaida. Obwohl die Gruppe von den zunehmend chaotischeren Verhältnissen infolge der Luftangriffe Saudi-Arabiens und des Kriegs der Houthis im Süden des Landes profitiert, führt AQAH bereits seit Sommer 2014 ihren eigene militärische Expansion durch. Auch wenn es zu einem Waffenstillstand zwischen Saudi-Arabien und den Houthis kommen sollte, wird dies nicht zu einer Einschränkung der Operationen von AQAH führen.

Jordanien

Die Unterstützung der jordanischen Jihadisten im Syrien-Krieg gilt in wachsendem Maße dem Islamischen Staat (IS) und immer weniger Jabhat al-Nusra. Einigen Schätzungen zufolge sprechen sich bereits mehr als 85 Prozent der Militanten in Jordanien für den IS aus. Damit wächst im Land auch die Sorge über das wachsende Bedrohungspotenzial durch immer radikalere Jihadisten, insbesondere aber vor Jihad-Rückkehrern aus Irak und Syrien. Der Bedrohung versucht der jordanische Staat mit einer dreistufigen Strategie zu begegnen.

Sudan

Die Gewalt in der Provinz Darfur, im Westen des Sudans, hält unvermindert an. Alleine im Jahre 2014 hat dies zu einer Vertreibung von rund 450.000 Menschen geführt. Die sudanesische Regierung versucht das Problem weiterhin militärisch zu lösen. Dabei wirkt sich die Strategie, die Unruhen vorrangig mithilfe von Milizen niederzuschlagen, zunehmend kontraproduktiv aus. Gegenüber Verhandlungen auf nationaler Ebene, die alle Probleme des Landes auf einmal angehen könnten, zeigt sich die Regierung in Khartum bislang abgeneigt.

Islamischer Staat (IS)

Ein irakischer Oberst plante die Machtübernahme des Islamischen Staates (IS) in Syrien: Haji Bakr, wie er innerhalb des IS hieß, war der Architekt der Terror-Miliz – und dürfte einer der einflussreichsten Terror-Strategen der jüngeren Vergangenheit sein. Eine Auswertung seiner Papiere zeichnen ein neues Bild des IS: das Bild einer nach außen fanatischen, aber nach innen kühl kalkulierenden Organisation.