Der Konflikt um den Hambacher Forst und die Klimastreik-Bewegung „Fridays For Future“ haben das Thema Öko-Aktivismus in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Das Thema erhitzt auch deswegen die Gemüter, weil einige wenige Aktivisten auch Sabotage und Sachbeschädigung als Mittel nutzen, um eine breite Aufmerksamkeit zu erlangen. Wann aber überschreiten die Aktivisten die Grenze zum Öko-Extremismus oder Öko-Terrorismus?

In Folge 14 des KNS Podcasts diskutieren Malte Roschinski, Yan St-Pierre und ich die Frage, wo genau die Grenze zwischen Aktivismus und Terrorismus verläuft. Wir beleuchten das breite politische Spektrum, aus dem die Aktivisten stammen, und benennen Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Trends der Szenen in Deutschland, Großbritannien und anderen europäischen Ländern. Darüber hinaus schauen wir auf die Aktivitäten von Bewegungen wie „Ende Gelände“ oder „Extinction Rebellion“ und sprechen darüber, ob diese als terroristisch einzustufen sind. 

Öko-Aktivismus: jenseits von rechts oder links

Die Öko-Aktivisten in Deutschland entstammen einem politischen Spektrum, das sowohl linke und linksextreme Bewegungen wie auch rechtsesoterische Gruppen umfasst. Im öffentlichen Diskurs wird das Thema indes ausschließlich am linken Rand verortet, und zwar auch deshalb, weil linke Gruppen erfolgreich die Deutungshoheit des Themas für sich beansprucht haben. 

Dabei sind Sachbeschädigung und Sabotage, also Gewalt gegen Sachen, gegenwärtig das bevorzugte Mittel der Wahl der radikaleren Akteure der Szene. Gewalt gegen Menschen ist bis dato nur sehr vereinzelt ausgeübt worden, vorrangig im Rahmen des Widerstands gegen Polizisten bei der (versuchten) Räumung des Hambacher Forstes.

Die Verzweiflung wächst

Auch wenn sich die Gewaltbereitschaft im Lager der Öko-Aktivisten bislang auf Sachwerte beschränkt hat, sind mittlerweile auch Ansätze zu einer Radikalisierung zu beobachten. Getrieben wird diese Entwicklung auch von einer wachsenden Verzweiflung darüber, dass auch monatelange Proteste keinen Fortschritt gebracht haben. Die Öko-Akteure agieren gemäß einer apokalyptischen Verteidigungslogik: Die Erde stirbt, niemand handelt, die Zeit läuft davon, also ist es höchste Zeit, radikaler vorzugehen.

Diese Entwicklung schlägt sich nieder in einem Trend zur Professionalisierung, in Teilen auch zur Militarisierung der Akteure. So bilden in Großbritannien bereits Ex-Militärs die Öko-Aktivisten aus und zeigen ihnen zum Beispiel, wie man Barrikaden baut oder sich in Verhören verhält. Europaweit vernetzen sich die Akteure, tauschen Erfahrungen aus und trainieren gemeinsam. Die wachsenden taktischen Fähigkeiten der Öko-Aktivisten machen eine Eskalation künftiger Proteste wahrscheinlich.

 

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